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Nachhaltigkeit

Nachhaltige Verpackungen sind längst keine Option mehr – sie werden zum festen Bestandteil des operativen Geschäfts

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Alexandra Blanck

Verfasst von Alexandra Blanck

Content Manager, Esko

Über viele Jahre wurde die Nachhaltigkeit von Verpackungen vor allem durch ambitionierte, freiwillige Zielsetzungen vorangetrieben.

Markenunternehmen formulierten eigene Nachhaltigkeitsziele. Marketingteams stellten die Recyclingfähigkeit von Materialien heraus. Innovationsabteilungen entwickelten leichtere Verpackungsformate und alternative Materialkonzepte. Fortschritte wurden anhand von Prozentwerten, Nachhaltigkeitsberichten und Pressemitteilungen dokumentiert.

Doch diese Phase geht zu Ende.

Nachhaltigkeit wird zunehmend durch konkrete, detaillierte und verbindliche regulatorische Anforderungen bestimmt. In Europa und Nordamerika werden die Vorgaben für Verpackungen verschärft, Dokumentations- und Berichtspflichten ausgeweitet und Gebühren im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung stärker nach der Umweltleistung von Verpackungen differenziert.

Das bedeutet vor allem eines: Verpackungsdaten rücken stärker in den Mittelpunkt.

Es geht nicht mehr um die Frage, ob Nachhaltigkeit wichtig ist. Entscheidend ist vielmehr, ob Verpackungsdaten, Prozesse und Lieferketten auf die neuen Anforderungen vorbereitet sind.

Die Diskussionen im Rahmen von „ Unboxing Live: The Virtual Packaging Summit “ haben eines deutlich gezeigt: Compliance ist keine nachgelagerte Aufgabe mehr, die erst im Zuge der Berichterstattung relevant wird. Regulatorische Anforderungen müssen bereits bei Entscheidungen über Verpackungsdesign, Materialbeschaffung und Produktentwicklung berücksichtigt werden.

Regulatorische Vorgaben bestimmen die Richtung

Mit der europäischen Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung – der Packaging and Packaging Waste Regulation, kurz PPWR – gelten künftig EU-weit harmonisierte Anforderungen für den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen.

Die Verordnung umfasst unter anderem Vorgaben zur Vermeidung von Verpackungsabfällen, zur Recyclingfähigkeit, zu Mindestrezyklatanteilen in Kunststoffverpackungen, zur Wiederverwendung, zur Verpackungsminimierung und zur erweiterten Herstellerverantwortung. Die PPWR gilt grundsätzlich ab dem 12. August 2026; zahlreiche konkrete Anforderungen und Zielvorgaben greifen jedoch schrittweise in den Jahren 2030, 2035 und 2040.

Dabei handelt es sich nicht um eine kurzfristige Compliance-Phase, sondern um einen langfristigen strukturellen Wandel. Verpackungen müssen künftig nicht nur funktional und wirtschaftlich gestaltet, sondern auch hinsichtlich ihrer Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit und regulatorischen Konformität nachvollziehbar dokumentiert werden.

Parallel dazu schafft die EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte – die Ecodesign for Sustainable Products Regulation, kurz ESPR – den regulatorischen Rahmen für digitale Produktpässe (DPP – Digital product passports). Welche Produktgruppen künftig einen digitalen Produktpass benötigen und welche Informationen darin enthalten sein müssen, wird schrittweise durch produktspezifische Rechtsakte festgelegt.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass strukturierte und digital verfügbare Informationen zu Materialien, Umweltauswirkungen, Kreislauffähigkeit und weiteren Nachhaltigkeitsmerkmalen entlang der Wertschöpfungskette immer wichtiger werden. Verpackungsdaten können dabei sowohl für die Einhaltung der PPWR als auch für produktbezogene Informationspflichten eine wichtige Rolle spielen.

Auch in Nordamerika werden Programme zur erweiterten Herstellerverantwortung in immer mehr US-Bundesstaaten und kanadischen Provinzen eingeführt. Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Rechtsraum, folgen jedoch einem gemeinsamen Grundprinzip: Hersteller und Inverkehrbringer übernehmen zunehmend die finanzielle und organisatorische Verantwortung für ihre Verpackungen am Ende des Lebenszyklus.

Wenn Nachhaltigkeit fest im Unternehmen verankert wird, unterstützt sie nicht nur die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, sondern kann auch zur Profitabilität beitragen.

Geert De Proost, Director, Software Product Offering, Esko

Diese Aussage bringt die doppelte Herausforderung auf den Punkt, vor der Markenunternehmen und Verpackungshersteller stehen.

Regulatorische Vorgaben erhöhen die Anforderungen. Gleichzeitig schaffen sie wirtschaftliche Anreize für bessere, recyclinggerechtere und ressourceneffizientere Verpackungsentscheidungen.

Der eigentliche Druck entsteht durch die Daten

Es liegt nahe, die Interpretation neuer regulatorischer Vorgaben als größte Herausforderung zu betrachten.

Die grundsätzliche Richtung ist den meisten Unternehmen jedoch bereits klar: Verpackungsabfälle reduzieren, Recyclingfähigkeit verbessern, Materialzusammensetzungen dokumentieren und die digitale Transparenz entlang der Lieferkette erhöhen.

Die größere operative Herausforderung besteht darin, Verpackungsdaten zuverlässig zu erfassen, zu strukturieren, zu aktualisieren und zwischen unterschiedlichen Beteiligten und Systemen auszutauschen.

Während der gemeinsamen Session zu EPR- und Recyclinganforderungen wurde die aktuelle Situation treffend beschrieben:

„Wir erleben international einen Tsunami an Vorschriften und Anforderungen.“
– Vivian Loftin, Co-Founder, Recyda

Auf der einen Seite werden die regulatorischen Anforderungen immer detaillierter. Auf der anderen Seite arbeiten viele Unternehmen weiterhin mit fragmentierten Datenbeständen, isolierten Softwarelösungen, Tabellen und manuellen Berichtsprozessen.

Diese Diskrepanz birgt erhebliche Risiken:

  • unvollständige oder veraltete Material- und Verpackungsdaten
  • fehlerhafte oder inkonsistente Berichte
  • unzuverlässige Berechnungen potenzieller EPR-Gebühren
  • Verzögerungen bei Produkteinführungen
  • zusätzlicher Abstimmungs- und Prüfaufwand
  • kostspielige Nachbesserungen, wenn Compliance-Lücken erst spät erkannt werden

Die PPWR sieht für Verpackungen unter anderem Konformitätsbewertungsverfahren, technische Dokumentationen und EU-Konformitätserklärungen vor. Gleichzeitig verknüpfen EPR-Systeme die Gebührenhöhe zunehmend mit Kriterien wie Materialart, Recyclingfähigkeit und weiteren ökologischen Eigenschaften der Verpackung.

Ohne zuverlässige und zentral verwaltete Verpackungsdaten wird Compliance schnell zu einer reaktiven, fehleranfälligen und ressourcenintensiven Aufgabe.

Sind strukturierte Daten hingegen direkt in die Verpackungs- und Freigabeprozesse integriert, können regulatorische Anforderungen wesentlich systematischer und effizienter gesteuert werden.

Daten bilden die Grundlage dafür, Profitabilität und Geschäftschancen miteinander in Einklang zu bringen und gleichzeitig die Compliance sicherzustellen.

Geert De Proost, Director, Software Product Offering, Esko

Nachhaltigkeit darf nicht erst am Ende des Prozesses berücksichtigt werden

Wenn Sie aus diesem Beitrag nur eine Erkenntnis mitnehmen, dann diese: Die Eigenschaften einer Verpackung am Ende ihres Lebenszyklus müssen bereits während der Entwicklung berücksichtigt werden – und nicht erst nach der Markteinführung.

Traditionell wurden Entscheidungen im Verpackungsdesign vor allem durch Kosten, Funktionalität, Markenwirkung am Point of Sale und technische Herstellbarkeit bestimmt. Nachhaltigkeitsbewertungen erfolgten häufig erst zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise im Rahmen der Berichterstattung, einer Portfolioanalyse oder eines regelmäßigen Nachhaltigkeitsaudits.

Dieses Vorgehen ist unter den neuen regulatorischen Rahmenbedingungen nicht mehr ausreichend.

Werden die Recyclingfähigkeit, potenzielle Auswirkungen auf EPR-Gebühren und regionale regulatorische Unterschiede nicht bereits während der Verpackungsentwicklung berücksichtigt, werden mögliche Probleme häufig erst spät sichtbar – und verursachen dann zusätzlichen Aufwand und höhere Kosten.

Die Plattform des Esko-Partners Recyda unterstützt Unternehmen dabei, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und relevante EPR-Anforderungen für unterschiedliche Märkte zu bewerten.

Die Enterprise-Plattform für nachhaltige Verpackungen führt Verpackungsdaten zusammen und gleicht diese mit geltenden Vorschriften, Regelwerken und Bewertungsrichtlinien ab.

Nachhaltigkeitsinformationen schaffen jedoch nur dann einen konkreten Mehrwert, wenn sie direkt mit den operativen Verpackungsprozessen verbunden sind.

Genau hier wird die Integration entscheidend.

Nachhaltigkeitsinformationen in Verpackungsworkflows integrieren

Viele Markenunternehmen und Verpackungshersteller verwalten ihre Verpackungsspezifikationen, Artwork-Prozesse und Freigaben bereits digital.

Wie in der Session erläutert wurde, speichern verschiedene Unternehmen ihre Verpackungsinformationen bereits in Esko-Systemen.

Durch die Verknüpfung strukturierter Verpackungsdaten aus Esko WebCenter mit regulatorischen Informationen sowie den Recyclingfähigkeits- und EPR-Bewertungen von Recyda können Unternehmen:

  • vorhandene Verpackungsspezifikationen systematisch nutzen
  • Recyclingfähigkeit und potenzielle EPR-Auswirkungen bereits während der Entwicklung bewerten
  • mögliche Auswirkungen auf Gebühren vor der Markteinführung erkennen
  • Nachhaltigkeitsprüfungen in bestehende Freigabe- und Genehmigungsworkflows integrieren
  • regulatorisch relevante Informationen zentral dokumentieren
  • Entscheidungen zwischen Entwicklung, Einkauf, Nachhaltigkeit und Compliance besser abstimmen

„Wir können das Lebensende einer Verpackung bereits im Rahmen ihrer Entwicklung berücksichtigen.“
– Christian Knobloch, Co-Founder, Recyda

Dadurch verändert sich die Rolle der Nachhaltigkeit innerhalb des Unternehmens.

Statt einer separaten Berichtsaufgabe am Jahresende wird sie zu einem festen Entscheidungskriterium im Verpackungsdesign und in der Verpackungsentwicklung.

EPR-Gebühren verändern die Wirtschaftlichkeit von Verpackungen

Die erweiterte Herstellerverantwortung schafft einen direkten finanziellen Anreiz, Nachhaltigkeitsaspekte stärker in Verpackungsentscheidungen einzubeziehen.

Die Recyclingfähigkeit einer Verpackung wird zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor. Im Rahmen ökomodulierter EPR-Gebühren können für weniger gut recyclingfähige oder ungünstig gestaltete Verpackungen höhere Beiträge anfallen. Eine optimierte Materialauswahl und ein recyclinggerechteres Verpackungsdesign können dagegen dazu beitragen, Gebührenrisiken zu reduzieren.

Diese finanzielle Dimension verändert auch die internen Entscheidungsprozesse.

Verpackungsentwickler, Einkaufsteams, Nachhaltigkeitsverantwortliche, Compliance-Fachleute und Finanzabteilungen erhalten eine gemeinsame wirtschaftliche Grundlage, um unterschiedliche Verpackungsvarianten zu bewerten.

Wenn potenzielle EPR-Gebühren zuverlässig modelliert werden, können Unternehmen beispielsweise analysieren:

  • ob eine Materialänderung die langfristigen Gebühren reduziert
  • ob der Verzicht auf unnötige Komponenten zusätzliche Kosten ausgleichen kann
  • ob eine verbesserte Recyclingfähigkeit sowohl die regulatorische Konformität als auch die Kostenstruktur positiv beeinflusst
  • wie sich unterschiedliche Verpackungsvarianten in verschiedenen Zielmärkten auswirken
  • welche Optimierungsmaßnahmen für ein Verpackungsportfolio den größten Effekt erzielen

Nachhaltigkeit wird damit finanziell bewertbar, nachvollziehbar und in Geschäftsentscheidungen integrierbar.

Über die nächste regulatorische Frist hinaus planen

Die PPWR gilt grundsätzlich ab August 2026. Viele ihrer wesentlichen Anforderungen und Zielvorgaben werden jedoch schrittweise ab 2030 sowie in weiteren Stufen bis 2035 und 2040 wirksam.

Die Qualifizierung neuer Materialien, die Abstimmung mit Lieferanten, technische Tests, Produktionsversuche und Verbraucherprüfungen lassen sich nicht kurzfristig umsetzen. Eine langfristige Planung ist deshalb unerlässlich.

Kurzfristige Lösungen können dabei helfen, unmittelbare Dokumentations- und Berichtspflichten zu erfüllen. Für die nachhaltige Transformation eines gesamten Verpackungsportfolios benötigen Unternehmen jedoch strukturierte Roadmaps, die an den regulatorischen Meilensteinen und den jeweiligen Markterfordernissen ausgerichtet sind.

Digitale Systeme können Unternehmen dabei unterstützen:

  • einen transparenten Ausgangspunkt für das bestehende Verpackungsportfolio zu schaffen
  • regulatorische und wirtschaftliche Risiken in unterschiedlichen Märkten zu bewerten
  • besonders wirkungsvolle Optimierungsmaßnahmen zu priorisieren
  • Materialien und Verpackungsformate systematisch zu vergleichen
  • Investitionen und Umstellungen sinnvoll in Phasen zu planen
  • Fortschritte konsistent zu dokumentieren

Es geht nicht darum, auf jede neue Vorschrift mit einer isolierten Einzelmaßnahme zu reagieren. Ziel ist vielmehr ein strukturierter, skalierbarer Ansatz, der sich an neue regulatorische und marktbezogene Anforderungen anpassen lässt.

Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Kein Unternehmen kann diese Anforderungen vollständig allein bewältigen.

Rohstoff- und Materiallieferanten, Verpackungshersteller, Markeninhaber, Einzelhändler, Entsorgungsunternehmen und Anbieter regulatorischer Daten tragen jeweils einen Teil zur erforderlichen Daten- und Informationskette bei.

Verpackungshersteller, die ihren Markenkunden strukturierte Nachhaltigkeitsdaten und frühzeitige Hinweise auf regulatorische Auswirkungen bereitstellen, können ihre Kundenbeziehungen stärken und sich als strategische Partner positionieren.

Dienstleister und Technologieanbieter, die Verpackungsentwicklung, Freigabeprozesse, Recyclingfähigkeitsbewertungen und die Modellierung potenzieller EPR-Gebühren miteinander verbinden, schaffen einen zusätzlichen und messbaren Mehrwert.

Entscheidend ist, dass alle Beteiligten mit verlässlichen, aktuellen und konsistenten Daten arbeiten.

Eine klare Richtung für die Verpackungsindustrie

Nachhaltigkeit bei Verpackungen wird zunehmend durch regulatorische Vorgaben bestimmt, durch finanzielle Anreize verstärkt und mithilfe strukturierter Daten in das operative Geschäft integriert.

Unternehmen, die Nachhaltigkeits- und Compliance-Kriterien direkt in ihre täglichen Verpackungsentscheidungen einbinden, sind besser darauf vorbereitet, auf neue Anforderungen zu reagieren und ihr Verpackungsportfolio langfristig weiterzuentwickeln.

Nicht, weil Nachhaltigkeit lediglich ein aktueller Trend ist, sondern weil sie zu einem grundlegenden Bestandteil der Verpackungsentwicklung und der operativen Prozesse in regulierten Märkten wird.

Möchten Sie erfahren, welche Auswirkungen PPWR, EPR und digitale Informationsanforderungen auf Ihr Verpackungsportfolio haben können?
Sehen Sie sich die Session „Shaping Packaging’s Sustainable Future“ an.

Möchten Sie wissen, wie sich Bewertungen der Recyclingfähigkeit und potenzielle EPR-Gebühren direkt in Ihre Verpackungsworkflows integrieren lassen?
Sehen Sie sich die gemeinsame Session von Esko und Recyda an.

Über die Autorin

Alexandra Blanck, Mitglied des Esko Corporate Marketing Teams, ist bekannt für ihr Engagement, ansprechende Inhalte zu erstellen, die bei einem globalen Publikum Anklang finden. Als Content Managerin bringt sie eine ausgeprägte redaktionelle Perspektive und strategisches Gespür in die Kommunikation von Esko ein – mit einer Leidenschaft dafür, komplexe Themen in fesselnde Geschichten zu verwandeln. Neben ihrer Arbeit bei Esko ist Alexandra für ihre Kreativität und ihr Erzähltalent bekannt und verfügt über ein vielfältiges Schreibportfolio, das von Lifestyle-Artikeln über Belletristik bis hin zu Poesie reicht.

Alexandra Blanck